historisch informierte Aufführungspraxis

Mein Ziel ist ein interessantes Konzerterlebnis – ist schöne, gute Musik! Es gilt ein komplexes, differenziertes Verständnis von Musik und emotional-ästhetische Unterhaltung zusammenzubringen und zu verbinden. Die akribische Erarbeitung historischer Urkunden und Zeugnisse hat das Ziel uns einen Repertoirereichtum zu bescheren in dessen Kontext unsere Musik interessanter wird. Wir studieren die Stücke und den Kontext unserer Stücke (welche (Musik-)Traditionen gab es?, welche Vorbilder gilt es einzusortieren?, welche ästhetischen Verknüpfungen?, welche Ideengeschichte steht dahinter?, welcher biographische Kontext?), um ein möglichst tiefes Verständnis des Werkes an sich zu bekommen. Dies setzen wird dann in den Kontext heutiger Hörgewohnheiten. Unser Ausgangspunkt ist der Text, unser Werkzeug unser Repertoire an aufführungspraktischen Möglichkeiten, unser Ziel ein gutes Konzert.

Genau genommen ist nämlich die Reproduktion „authentischer Konzerte“ an sich unmöglich, da Musik immer ein Produktionsprozess im Spannungsfeld zwischen Künstler und Publikum ist – und die heutigen Bedingungen und Hörgewohnheiten sich nun mal grundlegend verändert haben.In diesem Spannungsfeld jedoch den historischen Farben- und Variantenreichtum hineinzubringen ist äußerst lohnenswert. Die historische informierte Aufführungspraxis verstößt gegen die Normen und Rituale des modernen Konzertbetriebs. Es bringt die alten Ideen zum Leben, die den ursprünglichen Reichtum der Werke wieder auferstehen lassen.

Unsere Kriterien der historisch informierten Aufführungspraxis sind:

  • die Verwendung von uneditiertem Notenmaterial (Urtextausgaben oder Autographen)
  • authentische Verzierungspraxis: vor allem die Musikpraxis des Barocks kannte ein virtuose Verzierungspraxis und damit Improvisationspraxis. die gut zu rekonstruieren ist. Die Folge ist eine lebhafte und variantenreiche Interpretation. (Selbstverständlich basiert auch unsere Continuo-Ausführung auf einer improvisatorische Praxis)
  • die Verwendung von originalgetreuen Instrumentarium – wir spielen auf Kopien von historischen Instrumenten, die eine andere Klangfarbe produzieren als ihre modernen Geschwister)
  • das Spielen auf historischer Stimmtonhöhe: den Werken und den Gegebenheiten entsprechend verwenden wir andere Stimmtonhöhen, da diese der Musik ein entsprechendes und besonderes Timbre geben können
  • eine historische Artikulationspraxis – den Mittelweg zwischen kleinteiliger tänzerischer Artikulation und dem großen gesanglichen Zusammenhang zu finden und zu artikulieren ist Teil unserer alltäglichen Probenarbeit

© Felix Görg, 2011

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